Quiet Quitting, Workation & Co. – so wird die Arbeitswelt beschrieben

Quiet Quitting, Workation & Co. – so wird die Arbeitswelt beschrieben

Der aktuelle Arbeitsmarkt verlangt von Personalern und Firmen strategisches Umdenken und hohe Flexibilität – neue Technologien, KI-Tools, gesellschaftliche Entwicklungen und veränderte Erwartungen der Arbeitnehmer prägen die HR-Strategie. In diesem dynamischen Umfeld tauchen regelmäßig neue Buzzwords auf, die als Trends in den Netzwerken diskutiert werden. Bestimmt haben Sie schon von Quiet Quitting, Workation und Career-Cushioning gehört. Wir wollen mit diesem Beitrag etwas Licht in den HR-Buzzword-Dschungel bringen und aktuelle Trends beschreiben, damit Sie einen klaren Überblick über die Konzepte und deren Einfluss auf die moderne Arbeitswelt erhalten.

 

Quiet Quitting

Kommen wir zum ersten Begriff „Quiet Quitting“ (zu Deutsch stille Kündigung), welcher derzeit vor allem in sozialen Netzwerken kursiert. Der Begriff beschreibt eine Arbeitseinstellung mit Dienst nach Vorschrift, bei dem Arbeitspflichten erfüllt werden, jedoch ohne zusätzliches Engagement, Überstunden oder die Motivation, über sich hinauszuwachsen. Das klingt zunächst recht negativ, schließt aber auch teilweise den Trend zur gesunden Work-Life-Balance mit ein. Freizeit und Job sollen ausgeglichen zueinander stehen, was nicht auf eine schlechtere Arbeitsleistung schließen lässt, denn der Arbeitnehmer zieht hier bewusst seine Grenzen. Besonders aufmerksam sollten Unternehmen jedoch sein, wenn sich Mitarbeiter aufgrund von Unzufriedenheit, fehlender Leidenschaft oder Problemen am Arbeitsplatz sukzessive aus dem Firmengeschehen zurückziehen. Für Betriebe ist es daher wichtig, eine offene Kommunikationskultur zu fördern, Mitarbeiterfeedback ernst zu nehmen und die Zufriedenheit der Belegschaft aktiv zu überwachen.

 

Climate-Quitting

Daran anknüpfen wollen wir direkt mit dem „Climate-Quitting“, was eine ganz andere Bedeutung hat. Der Begriff beschreibt das Phänomen, bei dem Mitarbeiter ihre Jobs kündigen, weil das Unternehmen und deren Geschäftspraktiken als umweltbelastend wahrgenommen werden oder nicht ausreichend Priorität darauf gelegt wird. Sie suchen bewusst nach Arbeitgebern mit einem klaren Fokus auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Dieser Trend spiegelt das wachsende individuelle Engagement für den Klimaschutz wider und unterstreicht die Bedeutung von Nachhaltigkeit in der Mitarbeitergewinnung und -bindung. Unternehmen können dem „Climate-Quitting“ entgegenwirken, indem sie Nachhaltigkeitsinitiativen in ihre Geschäftsstrategie integrieren und die Mitarbeiter in nachhaltige Entscheidungsprozesse einbinden.

 

Quiet Hiring

Einen speziellen Ansatz beschreibt der Begriff „Quiet Hiring“, eine innovative Praxis, bei der Unternehmen interne Talente für neue Positionen oder zusätzliche Aufgaben gewinnen, anstatt externe Fachkräfte einzustellen. Durch diese leise Revolution der internen Talentmobilität können Unternehmen ihre vorhandenen Ressourcen effizienter nutzen und die Mitarbeiterbindung stärken. Die Möglichkeit, innerhalb des Unternehmens aufzusteigen und neue Aufgaben zu übernehmen, fördert die persönliche Weiterentwicklung der Mitarbeitenden und erlaubt eine schnellere Anpassung an Veränderungen. Unternehmen, die gezielt auf Quiet Hiring setzen, sind agiler und besser positioniert, um den Herausforderungen der modernen Arbeitswelt erfolgreich zu begegnen.

 

Career Cushioning

Finanzielle Sicherheit hat bei Arbeitnehmern einen sehr hohen Stellenwert. Mit „Career-Cushioning“ wird das Bestreben von Mitarbeitenden, ihre berufliche Laufbahn abzusichern, beschrieben, indem sie sich zusätzliche Sicherheiten und Optionen schaffen. Dieser Trend ist eine Reaktion auf die Unsicherheiten und Veränderungen in der Arbeitswelt. Arbeitnehmer setzen auf Weiterbildung, den Aufbau mehrerer Kompetenzen und den Ausbau ihres Netzwerks, um sich für mögliche Umbrüche im Arbeitsmarkt und der eigenen Karriere zu wappnen. Unternehmen können „Career-Cushioning“ unterstützen, indem sie Weiterbildungsmöglichkeiten und berufliche Entwicklungschancen bieten sowie eine Unternehmenskultur fördern, die Offenheit für interne Mobilität und neue Herausforderungen ermöglicht.

 

Workation

Meeting unter Palmen – so lässt sich das Kofferwort „Workation“ („Work“ und „Vacation“) wohl sehr gut beschreiben. Workation ist ein neues Arbeitsmodell, bei dem Mitarbeiter die Möglichkeit haben, ihre Arbeit flexibel an verschiedenen Orten zu erledigen, während sie gleichzeitig Urlaub machen. Es geht darum, die Work-Life-Balance zu verbessern und die Produktivität zu steigern, indem Mitarbeitenden ermöglicht wird, in inspirierender Umgebung zu arbeiten und gleichzeitig ihre persönlichen Bedürfnisse zu erfüllen. Unternehmen können dies unterstützen, indem sie Remote-Arbeit fördern, klare Richtlinien für den Umgang mit Arbeitsaufgaben während der Urlaubszeit entwickeln und Technologien etablieren, die eine reibungslose Zusammenarbeit überall erlauben.

 

Talent Hoarding

„Talent-Hoarding“ beschreibt die Praxis, in der bestimmte Abteilungen oder Führungskräfte in einem Unternehmen versuchen, talentierte Mitarbeitende für sich zu behalten, anstatt sie für andere Bereiche im Unternehmen freizugeben. Dieser Trend kann dazu führen, dass Talente in ihren derzeitigen Rollen feststecken und keine Möglichkeiten für Wachstum oder Entwicklung erhalten. Es kann auch die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Teams und Abteilungen beeinträchtigen, da Talente nicht in der Lage sind, ihr volles Potenzial in anderen Bereichen des Unternehmens einzusetzen. Um „Talent-Hoarding“ zu vermeiden, ist es wichtig, eine offene Unternehmenskultur zu fördern, in der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ermutigt werden, ihre Fähigkeiten zu teilen und ihre Karriere innerhalb des gesamten Unternehmens voranzutreiben.

 

Fazit

All diese neuen Begriffe und Trends lassen eines deutlich werden: Die traditionellen Rahmenbedingungen in der Arbeitswelt verschieben sich immer mehr. Die Vorstellung, dass Arbeit in klar definierten Prozessen strukturiert werden kann, dass Jobs einfach kategorisiert und vollständig innerhalb der Organisation besetzt werden können, dass Arbeit ausschließlich am physischen Arbeitsplatz stattfindet und dass Organisationen ihre Entscheidungen allein auf den Gewinn ausrichten, verliert an Bedeutung. Für Personalwesen und Unternehmensführung ist es jetzt umso wichtiger, mit den sich entwickelnden Anforderungen der Arbeitswelt Schritt zu halten, um Mitarbeitende langfristig halten und passende neue Talente gewinnen zu können.

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